Medien gegen Vorurteile

Projekte 2020

 

Seit Jahrzehnten bietet der Jugendclubring e.V. mit Sitz im Haus der Jugend Charlottenburg in der Zillestraße 54 seine Workshopreihe „Medien gegen Vorurteile“ für Schülerinnen und Schüler vor allem aus Charlottenburg-Wilmersdorf an. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden dabei buchstäblich spielerisch an aktuelle, diskussionswürdige und auch streitbare Themen herangeführt. Sie lernen dabei, sich mit ihren eigenen Gefühlen, aber auch unterschwelligen Vorurteilen oder schlicht ihrer Unkenntnis auseinanderzusetzen, um nachhaltiges Verständnis für ihre Umwelt und für ihre eigenen, altersgemäß nicht immer einfachen Befindlichkeiten zu entwickeln. „Medien gegen Vorurteile“ ermöglicht es den Teilnehmer*innen, Erlebnisse zu verarbeiten, die den Alltag einschneidend verändern.

Vor Ort begleitet werden die Schüler*innen bei all diesen Prozessen immer von (medien-)pädagogisch geschulten Anleiter*innen.

Im Jahr 2020 liegt das Thema auf der Hand: „Quarantäne“. Das Corona-Virus bestimmt das schulische und außerschulische Leben der Jugendlichen. Schule in diesem Jahr sieht anders aus als gewohnt und das hinterlässt seine Spuren. Die Sorge um die eigene Gesundheit, aber auch die Gesundheit von Angehörigen und Freunden verunsichert vor allem junge Menschen, die ein Pandemie-Geschehen so nie zuvor erlebt haben. Einordnen lässt sich das so einfach nicht.  Hygienemaßnahmen und Abstandhalten bestimmen jetzt den (schulischen) Alltag.

Im September bekamen drei 6. Klassen und im November drei 5. Klassen der Joseph-Eichendorff-Grundschule aus Charlottenburg in acht verschiedenen Workshops die Möglichkeit, die einschneidenden Veränderungen der Zeit und ihre Gefühle dazu in kreative Bilder zu fassen: Filme,  Musik, Kunst und Performance, Trickfilm, Theater und Fotogeschichten wurden in Kursform angeboten.

Eine besondere Herausforderung bedeuten die Schüler*innen aus den Willkommensklassen. Zwei- bis viermal im Jahr sind Willkommensklassen zu Gast bei „Medien gegen Vorurteile“. Die Gruppen sind in keiner Weise homogen, weder vom Alter – Willkommensklassen werden größtenteils jahrgangsübergreifend unterrichtet – noch von ihren kulturellen und sozialen Voraussetzungen her. Da mischen sich 16jährige Kriegsflüchtlinge mit 13jährigen Kindern, deren Familien aus Jobgründen nach Deutschland ausgewandert sind. Deutsche Familien kehren wieder zurück nach Deutschland, ihre Kinder sind aber auf einem anderen Kontinent sozialisiert worden.

So verhielt es sich auch im September und Dezember 2020 mit der diesjährigen Willkommensklasse der Friedensburg-Oberschule aus Charlottenburg: Die Anleiter*innen der Workshops des Jugendclubrings Berlin e.V. sahen sich jungen Kriegsflüchtlingen aus Syrien und Afghanistan genauso gegenüber wie spanischsprachigen Kindern mit deutschen Eltern, oder Menschen, die der Armut ihres Heimatlandes versuchten zu entkommen. Gründe für ihr Hiersein gibt es also viele gute, einen tut die Kinder allein das Defizit in der deutschen Sprache und das Neu-Ankommen-Müssen in einer ihnen fremden Welt. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl beim Umgang mit der Trauer über den Verlust der Heimat, aber auch mit möglichen, mehr oder weniger versteckten Traumata. Die Workshop-Reihe „Medien gegen Vorurteile“ kann auch einen vielleicht nicht unwesentlichen Baustein zum Gelingen der Integration der Jugendlichen bieten.

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